Roux-en-Y Magen Bypass im Detail

Die Roux-en-Y ist die zweithäufigst durchgeführte Variante bariatrischer Eingriffe.
Benannt wurde diese Methode nach dem Schweizer Mediziner César Roux, der 1907 als erster diese Dünndarmverbindung in Form einer Y-Schleife durchgeführt hat (Quelle: Wikipedia).
Die Y-Schlaufe, nach der diese Prozedur ebenfalls benannt ist, entsteht dadurch, dass etwas fortgeschrittener am Dünndarm, der umgangene Restmagen mit dem Zwöffingerdarm und Leerdamm an den Dünndarm anastomisiert (angenäht) wird.
Der eigentliche Verdauungsvorgang ist somit sowohl zeitlich als auch streckenmäßig verkürzt, weshalb die Nahrung weniger gut verwertet wird. Dies wird auch als Malabsorption bezeichnet. (Quelle: Wikipedia)
Was geschieht nun im Körper und was begünstigt die rasche und nachhaltige Gewichtsreduzierung?
Zum Einen kommt es durch die Verkleinerung des Magenvolumens und den kürzeren Verdauungsweg zu rein funktional-mechanischen Veränderungen der Nahrungsverwertung.
Es stellt sich durch das verkleinerte Magenvolumen schneller ein Sättigungsgefühlt ein und die Nahrung wird schlechter verwertet.
Zum Anderen kommt es aber zu einer wesentlich tiefgreifenden sowohl physikalischen, chemischen sowie biologischen Umstrukturierung des Verdauungssystems. Hier einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Da in dem kleinen Vormagen weniger Magensäure produziert werden kann, gelangt der Speisebrei pH-neutraler in den Dünndarm, wodurch wichtige Bakterien überleben können. Die geringere Menge an Magensäure verhindert, dass diese im Magen getötet werden. Das wirkt sich positiv auf die Darmflora aus (Quelle: ScienceDirect.com)
- Durch den verkürzten Magen-Darm-Weg gelangt mehr Sauerstoff in tiefere Darmabschnitte. Der Dickdarm ist normalerweise anaerob (sauerstofffrei). Anaerobe Keime werden dadurch zurückgedrängt und aerotolerante Keime wie Proteobacteria oder Escheria können sich vermehren. Die Darmflora regeneriert sich nachhaltig. (Quelle: Frontiers.com: Roux en Y gastric bypass induced indicated pertubated changes in microbial communities and metabolic pathways)
- Gallensaft wird erst weiter unten im Dünndarm zugeführt. Dies führt zu einer veränderten Gallensäure-Konzentration im Darm. Da Gallensäure wie ein natürliches Antibiotikum im Darm wirkt, hemmt bzw fördert es das Wachstum bestimmter Bakterienstämme. Dies hat zur Folge, dass sich die Darmflora neu zusammensetzt. (Quelle: Nature.com: Ideal microbial shifts after Roux-en-Y gastric bypass; aerzteblatt.de)
- Reduzierte Nahrungsaufnahme und andere Nahrungszusammensetzung beeinflussen das mikrobiotische Klima der Darmschleimhaut. (Naturals Library of Health)
Direkt nach der Op kommt es zu einem signifikanten Absterben von dickmachenden Bakterien, da durch den chirurgischen Eingriff, sowie die spezielle Kost, den Bakterien der Nährboden entzogen wird. Dies führt zu einem sofortigen Anstieg der gesunden Darmbakterien (z.B. Akkermansia muciniphila Bakterien) (Quelle: PMC.ncbi.nlm.nih.gov National Library of Medicine PubMed Central: The impact of bariatric Surgery on Gut Microbiota Composition and Diversity: A longitudinal Analysis Using 16S rRna Sequencing)
Längerfristig kommt es zu einem Anstieg der Gen- und Artenvielfalt im Darm. Laut einer Studie stieg 6-12 Monate nach der OP die bakterielle Vielfalt (Alpha-Diversität) im Darm sowie der Gen-Reichtum. (Quelle: Nature.com : Gut microbiata responses to bariatric surgery)
Neben der Reduzierung des Körpergewichtes konnten auch signifikante Rückgänge unterschiedlicher Komorbitäten vermerkt werden. Beim Diabetes des Typ 2 kommt es zu einer Remissionsrate von 62%. Auch kardiovaskuläre Risikofaktoren gehen stark zurück. Innerhalb von 4 Jahren verringert sich das Risiko an Herzinsuffizienz zu erkranken um 46%. Kardiovaskuläre Morbidität sinkt um 47%, Krebssterblichkeit um 46%. Die Mortalität reduziert sich bei Patienten über 55 Jahren von 6,1% auf 2,8%. (National Library of Medicine).
Operations-Verfahren
Der Roux-en-Y Magenbypass kann durch einen laproskopischen Eingriff mit 4-6 Zugängen in Ober-und Mittelbauch vorgenommen werden. Diese Einschnitte sind max 1 cm groß. Dies beschleunigt die Wundheilung, vermindert Komplikationen und ist ästhetischer. (Quelle: National Library of Medicine)
Begleiterscheinungen
Neben den zahlreichen positiven Auswirkungen eines Roux-en-Y Magenbypasses gibt es auch Einschränkungen, bzw Umstände, über die der Patient aufgeklärt und informiert sein muss:
- Durch den verkürzten Verdauungsweg kommt es zu der schon erwähnten Malabsorption. Außer Kalorien betrifft dies auch die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Vitamin B12, Vitamin D, Calcium und Eisen. Dies kann zu Blutarmut, sowie Osteoporose führen (Quelle: Alobariatrics).
- Der Sauerstoff, der durch den verkürzten Weg tiefer in den Darm eindringt, kann Blähungen verursachen.
- Der Stuhlgang verändert sich.
- Patienten können auch unter dem sogenannten Dumping-Syndrom leiden. Verursacht durch den künstlichen neuen Magenausgang, der nicht wie der natürliche im Restmagen verbliebene Magenausgang durch einen Schließmuskel, das Austreten des Speisebreis in den Dünndarm kontrolliert, gelangt der unverdaute Nahrungsbrei relativ schnell vom Magen in den Dünndarm. Als Reaktion entzieht der Körper dem Blut schlagartig Flüssigkeit, um diese in den Darm zu führen (Frühdumping 15-30 Minuten nach dem Essen). Dies kann zu Bauchweh, Übelkeit, Schwindel und Blutdruckabfall führen. (Quelle: National Institute of Health / Johns Hopkins Medicine)
- Bei sehr zuckriger Nahrung kommt es zu einer übermäßigen Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm. Dazu kommt es aber erst 1 bis 3 Stunden nach der Mahlzeit, weshalb man auch von Spät-Dumping spricht. Kurz darauf kommt es dann zu einer starken Unterzuckerung, was entweder Heißhunger, Schwäche, Zittern oder kalten Schweiß provozieren kann. Diesen Symptomen kann man allerdings durch eine entsprechende Ernährungsanpassung entgegenwirken. Wohingegen Nahrungsergänzungsmittel, um Mangelerscheinungen entgegenzusteuern dauerhaft unerlässlich sind. Zur Kontrolle sollten regelmäßige Blutuntersuchungen vorgenommen werden. (Quelle: National Institute of Health)
Eine neue Art zu leben
Grundsätzlich werden Roux-en-Y Bypass-Operationen in Betracht gezogen, wenn konservative Therapien erfolglos waren ab einem BMI > oder = 35kg/m2. Diese Operation wird als « general reset » verstanden. Wichtig ist es, den Körper bei diesem Gen-Reset zu unterstützen, um langanhaltenden Erfolg zu gewährleisten. Damit geht neben der Nahrungsumstellung oft auch eine tiefgreifende Lebensumstellung mit sich. Deshalb ist es sinnvoll, auch das soziale Umfeld, die Familie mit einzubeziehen. Eine neue Lebenshygiene mit ausreichend Schlaf, Fitness und Sport, die Freude bringen und Spaß machen, vergrößern die Aussicht auf das Beibehalten des reduzierten Körpergewichts. Um langfristig den Erfolg beizubehalten ist es also wichtig, die Lebensgewohnheiten langfristig zu ändern. Eine Magenbypass-Operation kann dabei helfen, ohne hungern zu müssen abzunehmen, das Gehirn in seiner Wahrnehmung von Hunger zu verändern, und 70-80% des Übergewichtes zu verlieren. (UNM Health). Was aus diesem Reset gemacht wird, hängt dann vom Engagement des Patienten ab. (Quelle: https://www.gesundheits-lexikon.com/Operationen/Abdominalchirurgie/Roux-en-Y-Magenbypass)

